Die erste 100km lange Fahrradtour

Unterwegs bei Nacht

Eine weitere aber lange Fahrradtour von der ich erzählen möchte war erstmal eine für mich verrückte Idee. Wie ich ja schon vorher erwähnt hatte fuhr ich dann diverse Touren kreuz und quer durch die Umgebung. Auf Fahrrad und Forstwegen ging es durch den Schwarzwald. Ich plante oft lange Fahrradtouren teilweise mit Runtastic und Strava. Als Anfänger achtete ich dabei wenig auf die Gegebenheiten der Strecken. Es passierte oft, dass ich nach ein paar Kilometern irgendwo an einem steilen Berg oder mitten im Dickicht stand. Dort wo mein Routenplaner einen Weg angezeigt hatte war keiner oder keiner mehr. Manchmal wachsen die Wege über den Sommer zu und verschwinden dadurch oder sind zumindest nicht mehr befahrbar. Das ist ebenso in der Natur.

Oder ich stand eben plötzlich vor einer langen Steigung die ich hoch zufahren nicht im Stande war. Also musste ich umdrehen oder mir einen anderen Weg suchen. Das ärgerte mich ein wenig, ich wollte mich bei meinen Radfahrten einfach besser zurechtfinden. Nein Navi bestand damals noch aus meinem etwas älterem Smartphone mir den oben genannten Apps drauf. Leider funktionierte das nicht so besonders gut, da das Smartphone einen nicht so guten GPS Empfang hatte.

Ein Mitstreiter

Ein Freund der sehr Mountainbike begeistert ist hörte von meinen Abenteuern und schlug vor doch mal zusammen zu fahren. Gesagt getan, wir verabredeten uns an einem Sonntag-morgen und fuhren los. Schnell zeigt sich, dass er sich viel besser auskannte als ich, was ja eigentlich nicht schwer war. Aber er kannte eben auch die Wege und Trails die ich bisher immer gemieden hatte. Ich bemerkte, dass ich diese bisher oft in der falschen Richtung entlanggefahren war. Denn wenn man sich die Wege passend plant und die einfachen Anstiege am Anfang hochfährt um an Höhe zu gewinnen, dann hat man später viel mehr Spaß, wenn man die steileren herunterfahren kann anstatt sie hoch zu fahren. Heute lache ich darüber aber damals wusste ich das schlicht und einfach nicht.

An dem Tag fuhren wir Bergauf und wieder bergab. Das war großartig, sogar mit meinem alten Stahl Rad. Denn ein Mountainbike hatte ich nicht. In den darauffolgenden Wochen fuhren wir jedes Wochenende zusammen und wenn ich mal frei hatte fuhr ich allein innerhalb der Woche auch lange Fahrradtouren. Die längste war dabei ca. 60km. Da kam mir in den Sinn doch eine 100km lange Tour durch den Schwarzwald zu fahren.

Die Idee

Als ich meinem Freund davon erzählte lachte er nur. Ich sagte „Was ist daran so lustig? Ich meine das ernst.“ Er sagte: „Ja, weil das evtl. etwas zu anstrengend für Dich ist. Und außerdem hast Du ja nur Dein Stahl-bike.“

„OK Herausforderung angenommen“ sagte ich und schlug vor eine lange Tour zu planen die er sich dann anschauen sollte um eventuelle Verbesserungen vorzunehmen. Am Abend begann ich eine Tour in mein Strava zu planen. Einmal lang durch die Stadt und dann stück für stück höher bis zur Badener Höhe. Nach einer Pause sollte es dann zur Schwarzenbach Talsperre gehen. Diese Talsperre liegt im Murgtal bei Forbach im Nordschwarzwald auf einer Höhe von 670m über dem Meeresspiegel. Auf der anderen Seite weiter in Richtung Schurmsee der auf 794m liegt. Der ist sehr einsam gelegen und liegt mitten im Naturschutzgebiet Nordschwarzwald. Noch etwas höher liegt der Aussichtspunkt Schumseeblick auf ca. 960m. Ab hier hegt es leicht bergab in Richtung Biberach und weiter zur Hornisgrinde. Das ist der Höchste Berg im Nordschwarzwald mit 1164m.

Von da aus plante ich eine ca. 30 km lange Abfahrt, wieder zurück nach Baden-Baden. Ich speicherte mir die Strecke ab und schickte sie meinem Freund zur Begutachtung per WhatsApp. 10 Minuten später kam auch schon die Antwort. „Du spinnst.“ „Das ist viel zu heftig.“ Ich schrieb ihm zurück. „Das heißt ja oder nein?“ und es kam ein „Ok wir müssen ein paar kleine Dinge ändern aber das wird sicher ein Abenteuer.“ zurück. Cool dachte ich, ein Abenteuer garantiert. Und wir sind zu zweit, falls irgendetwas passiert, passt man auf einander auf.

Vielleicht etwas zu heftig

Ich schaute mir die Strecke dennoch noch einmal an.  Da hatte ich aber eine paar heftige Höhenunterschiede übersehen.  Das war dank der Online Routenplanung aber schnell etwas entschärft, sodass wir unter 2500hm kamen. Das war trotzdem noch sehr viel.

Wir diskutierten den Termin und wann es losgehen sollte. Er meinte er müsse um 13Uhr zum Mittagessen wieder zuhause sein. Upps, die Tour würde aber ca. 10 Stunden dauern. Wir müssten also seeeehr früh losfahren. Ich schlug vor am Sonntag-morgen um 3Uhr bei ihm zu sein. Er lachte erst und meinte sowas verrücktes hätte er noch nie gemacht. „Na dann los“ meinte ich. „Dann wird es Zeit damit anzufangen“.

Die Vorbereitung

Ich war natürlich noch nicht wirklich startklar für eine lange Tour. Dennoch machte ich mich daran es so gut wie möglich zu sein.

Also erstmal das Bike putzen, all der Dreck und die Schmiere von den letzten Touren musste erstmal runter und alles muss sauber sein. Dann werden alle drehenden Teile wie Lager, Naben, Kette und Schaltung gefettet / geölt damit sich wieder alles leicht dreht und bewegt. Denn je leichter sich alles dreht, desto weniger Kraft muss man später aufwenden. Hierzu werde ich noch einen Blog Post schreiben in dem die Schritte der Vorbereitung genauer beschrieben sind.

Dann habe ich mal all mein bisher erstandenes Equipment herbeigeholt und überlegt was ich für die Radrour benötige. Am Gepäckträger hatte ich so eine Seitentasche aus LKW Plane als Stauraum. Einen Fahrrad Rucksack habe ich mir dann erst später gekauft. In die Tasche kam alles was nicht direkt am Rad befestigt wurde. Also Verpflegung (Trinkflasche mit Wasser, ein paar Energieriegel, 2 Bananen), ein Multitool, ein Ersatz-schlauch, Flickzeug, 2 Felgenheber, Powerbank, Portemonnaie mit (Geld, Kreditkarte, Ausweis).

So hell wie möglich

Da wir ja sehr früh schon los fahren wollten benötigte ich Licht, viel Licht. Dazu hatte ich mir experimentell einen LED Fahrrad Strahler mit Akku bei einem Asiatischen Onlineshop bestellt. Der sah ganz gut aus und hatte auch gute Werte. Außerdem war er günstig. Damals war mein Budget für Fahrradzubehör nicht groß und daher kaufte ich eher günstig ein. Dazu später mehr.

Die Lampe befestigte ich am Lenker und legte das Kabel zum Akku bis zum Rahmen an dem dieser befestigt war. Als Rücklicht hatte ich auch eine LED Lampe mit Akku an der Sattelstütze befestigt.

Die V- Bremsen bekamen noch jeweils einen Satz neue Beläge und wurden noch einmal genau justiert. Sodass sie auch optimal funktionieren konnten.

Dann poppte eine Nachricht von meinem Freund auf meinem Smartphone auf. Er berichtete, dass er sich ebenfalls einen LED Strahler bestellt hatte und diesen auch bereits einem Langzeittest unterzogen hatte. Bei voller Leuchtkraft hielt sein Akku ca. 4 Stunden bevor sie weniger hell wurde und dann nach ein paar Minuten aus ging. Hmmm einen Langzeittest hatte ich mit meiner Lampe noch nicht gemacht.

Es war aber schon Freitag und somit machte ich auch einen Test. Meine Lampe ging nach 1 ½ Stunden unter Volllast einfach aus. Hmmm das war nicht gut. Ich lud sie erneut und wiederholte den Test mit der niedrigsten Stufe. Hier hielt der Akku immerhin 3 ½ Stunden bevor sie ausging. Das reichte mir vorerst denn ich hatte ja auch noch eine normale LED Lampe die für normale Wege vollkommen ausreichte. Der Strahler war hauptsächlich für die Trails und sehr dunklen Teile der Strecke. Wir wollten ja um 3 Uhr losfahren und um 6 Uhr war bereits Sonnenaufgang. Es war alles im vertretbaren Rahmen.

Endlich war Samstag

Ich hatte meinen Wecker auf 2:30 Uhr gestellt und war sogar noch 5 Minuten vorher wach. Naja wach nicht wirklich aber aufgestanden. Am Abend vorher hatte mir meine liebe Frau noch ein Brot und etwas Joghurt für das Frühstück in den Kühlschrank gestellt. Zusätzlich trank ich noch 2 Gläser Wasser um einen gewissen Vorrat an Flüssigkeit zu haben. Meine Tasche mit der Verpflegung und alles was ich sonst noch benötigte hatte ich auch schon abends gepackt.

Also dann los. Runter in den Keller, das Bike raus schieben und raus in die Nacht. Ich kann nicht leugnen dass ich recht aufgeregt war vor Freude über unsere coole Nacht Fahrradtour.

Als ich bei meinem Freund ankam war der noch im Haus, kam aber nach ein paar Minuten raus und wir gingen zu seiner Garage in der auch er sein Bike klar machte damit wir los konnten. Er hatte sicher erst vor kurzem ein Carbon Hardtail Mountainbike gebraucht angeschafft.  Das Teil wog die hälfte von meinem Stahl Rad.

Als alles bereit war fuhren wir vom Hof in Richtung Stadt. Denn wir mussten erstmal ein Stück durch die Stadt und dann durch Lichtental bis nach Oberbeuern. Das sind vom Startpunkt schon fast 10 km, aber dann ging es endlich von der Straße runter in die Natur. Unser nächstes Ziel war der gut 5 km entfernte Scherrhof. Bis dahin waren schon die ersten 420 Höhenmeter zu überwinden. Dann weiter zur Badener Höhe welche auf 998 m liegt und 10 km vom Scherrhof entfernt ist.

Schwarzenbach-Talsperre - lange fahrrartourSchwarzenbach-Talsperre bei Sonnenaufgang - lange Fahrradtour

Der nächste Gipfel ist der Seekopf der wie ein Plateau recht flach ist. Der Weg führt einmal ganz herum, den haben wir auch abgefahren während es langsam  etwas dämmerte. Am Herrenwieser See entlang fuhren wir dann hinunter zur Schwarzenbach Talsperre. Das war schon ein toller Anblick, der Nebel auf dem Wasser und die ersten Sonnen strahlen die langsam heraus kamen. Da mussten wir erstmal eine etwas längere Pause ein legen um etwas zu essen und zu trinken.

Nach ca. 20 Minuten Pause machten wir uns auf, das nächste Ziel zu erreichen, den Schurmsee. 32 km hatten wir nun schon zurück gelegt und 70 fehlten noch. Ich muss sagen dass ich schon recht kaputt war aber aufgeben kam nicht in Frage. An Ebersbronn vorbei führt unsere geplante Fahrradtour hoch zur Schurmseehöhe. Auf der Bergkuppe führt der Weg einmal in einem großen Bogen dorthin. Hier waren wir nun wieder auf 950 m Höhe. Das war das mein ursprünglich angepeiltes Ziel. Mitten im Naturschutzgebiet, ohne den Lärm der Straßen. Einfach nichts außer Natur. Und wir zwei verrückten, die hier mir dem Rad herum fuhren.

Lange Fahrradtour - SchurmseeblickSchurmseeblick Aussichtspunkt - lange Fahrradtour

Aber nun sollte es noch zur Hornisgrinde mit ihrem auf 1150m Höhe gelegenen Hochmoor gehen. Wir fuhren weiter auf der Bergkuppe in diese Richtung. Der Weg verschwand allmählich und wir hatten nur noch Gras vor uns und eine Art Sumpf wo eigentlich der Weg sein sollte.  Denn ich hatte die strecke ja genau so online geplant und da war eindeutig ein Weg. Das zeigt meine Fahrradnavigation an.  Aber die Realität ist oft anders. Also drehten wir um, nachdem wir schon bis zur Nabe im Wasser standen und uns allmählich die Lust hierauf ausging. Es musste einen anderen Weg geben. Also einen Kilometer zurück und etwas weiter unten am Berg entlang ging es dann besser vorwärts. Nachdem uns dann aber beiden die Kraft ausgehen zu schien und 57 gefahrenen Kilometern entschieden wir, den direkten Weg in Richtung nach Hause einzuschlagen.

Man muss immer realistisch bleiben und „abbrechen“ wenn es zu hart wird. An dem Punkt waren wir auch schon 7,5 Stunden unterwegs. Also wieder hoch auf die Bergkuppe und an der anderen Seite am Hundsbach herunter Richtung Hundseck (900 m Höhe). Dort ist im Winter ein bekannter Ski Hotspot zu fuße des „Mehliskopf“. Dann rollten wir am „Vorfeldkopf“ der „Badener Höhe“ und dem „Eierkuchenberg“ und schlussendlich dem „Hummelsberg“und am „Merkurberg“ wieder zurück nach Baden-Baden. Denn es ging glücklicherweise fast die ganze Zeit kontinuierlich bergab. Viel mehr hätten meine Beine wahrscheinlich auch nicht mehr geschafft.

Ich war aber zwischendurch irgendwie etwas enttäuscht. Denn wir hofften ja 100 km zu fahren und durch unseren Abbruch war die Strecke nun nicht so lang. Wir fuhren erst zu meinem Freund und ich rollte nach einer kurzen Verabschiedung nach Hause. Nachdem ich geduscht, gegessen und getrunken hatte setzte ich mich noch kurz an den Computer um die Stecke hochzuladen.

Als die Daten im Portal hochgeladen waren und die Gesamtdistanz erschien, traute ich meinen Augen nicht. Da standen 100,23 km. Unfassbar das wir es doch geschafft hatten. Und noch mehr, wir hatten in der Zeit 2405 Höhenmeter bewältigt und dabei ca.4400 Kalorien verbrannt.

Die lange Fahrradtour war echt hart aber davon reden wir immer wieder und es ist und bleibt unsere Abenteuertour Nr 1.

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Vom Flachland in die Berge

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